Praxis
Spritztagebuch richtig führen: Anleitung, Muster & Mindestanforderungen
Vor, während und nach der Spritzung: So führst du dein Spritztagebuch kontrollfest – mit Mindestanforderungen, zwei ausgefüllten Mustereinträgen und den typischen Fehlern aus Kontrollen.
Von Jonas Rost, Spritztagebuch.de Aktualisiert am 7 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: Ein Spritztagebuch führst du richtig, wenn du jede Anwendung unverzüglich – am besten noch am selben Tag – mit allen Pflichtangaben einträgst: Anwender, Mittel mit Zulassungsnummer, Datum, Aufwandmenge, Lage und Größe der behandelten Fläche, Kultur mit EPPO-Code und, wenn die Zulassung es verlangt, BBCH-Stadium. Bis Ende 2026 geht das auf Papier, ab 2027 nur noch elektronisch und maschinenlesbar.
Was jede einzelne Angabe bedeutet, erklären wir ausführlich in Pflanzenschutzmaßnahmen richtig dokumentieren. Hier geht es um die Praxis: wie du das Tagebuch im Alltag führst, damit es bei einer Kontrolle oder einem Audit ohne Nacharbeit standhält.
Schritt für Schritt: vor, während und nach der Spritzung
Vor der Spritzung
- Mittel prüfen: Ist es für diese Kultur, diesen Ort (Freiland oder Gewächshaus) und diesen Schaderreger zugelassen? Läuft gerade eine Aufbrauchfrist ab? Der Blick lohnt sich: Laut BVL wurden 2025 bei 12 % der Kontrollen Mittel in Kulturen nachgewiesen, die nicht von der aktuellen Zulassung abgedeckt waren.
- Fläche festlegen: Welches Haus, welches Schiff, welches Quartier wird behandelt – und wie groß ist genau dieser Teil?
- Menge rechnen: Aufwandmenge je ha (bzw. je m²) aus der Zulassung, daraus Mittelmenge und Wasser für die tatsächliche Fläche.
- Auflagen notieren: Gibt es Bienenschutz- oder andere Zeitauflagen? Dann brauchst du später die Uhrzeit des Beginns.
- Anwender und Gerät: Gültiger Sachkundenachweis, Spritzgerät mit gültiger Prüfplakette.
Während der Spritzung
- Uhrzeit des Beginns merken, wenn sie relevant ist.
- Abweichungen vom Plan registrieren: nur zwei statt drei Schiffe behandelt, Brühe übrig geblieben, Wind aufgefrischt und abgebrochen.
Direkt danach
- Eintrag sofort erfassen – mit der tatsächlich behandelten Fläche und der tatsächlich ausgebrachten Mittelmenge.
- Vollständigkeit prüfen: Fehlt Zulassungsnummer, EPPO-Code oder Anwender?
- Restbrühe berücksichtigen: Was im Tank übrig bleibt, wurde nicht ausgebracht. Trage die Mittelmenge ein, die tatsächlich auf der Fläche gelandet ist.
Mindestanforderungen auf einen Blick
| Pflichtangabe | Beispiel | Typischer Fehler |
|---|---|---|
| Name des Anwenders | M. Beispiel | Feld leer, weil „eh immer derselbe spritzt“ |
| Mittel + Zulassungsnummer | Beispielmittel 250 EC, 000000-00 | Nur Handelsname, Nummer fehlt |
| Datum, ggf. Uhrzeit | 14.10.2026, 07:30 | Uhrzeit fehlt trotz Bienenschutzauflage |
| Aufwandmenge | 0,5 l/ha | Brühemenge statt Mittelmenge |
| Lage der Fläche | Haus 3, Schiff 2 / Flächenkennung aus dem Agrarantrag | „Hinten links“, „das große Haus“ |
| Größe der behandelten Fläche | 600 m² | Ganze Hausfläche statt Teilfläche |
| Kultur mit EPPO-Code | Weihnachtsstern (EPHPU) | Nur „Topfpflanzen“ ohne Code |
| BBCH-Stadium (wenn relevant) | BBCH 55 | Fehlt, obwohl die Zulassung ein Stadium vorgibt |
| Grund (empfohlen) | Weiße Fliege | – keine Pflicht, aber hilfreich |
Die Pflicht trifft alle beruflichen Anwender, unabhängig von der Betriebsgröße. Im Betrieb führt der Betriebsleiter die Aufzeichnungen zusammen und nennt jeweils den Anwender (§ 11 PflSchG). Länderspezifische Hinweise der Pflanzenschutzdienste findest du unter Pflanzenschutz-Dokumentation nach Bundesland.
Spritztagebuch-Muster: zwei ausgefüllte Einträge
Mittelnamen und Zulassungsnummern sind Platzhalter. Eine leere Vorlage zum Ausfüllen gibt es als kostenlose Spritztagebuch-Vorlage.
Muster 1: Gewächshaus, Zierpflanze, Teilfläche
| Feld | Eintrag |
|---|---|
| Datum, Uhrzeit | 14.10.2026, 07:30 |
| Anwender | M. Beispiel |
| Mittel, Zulassungsnr. | Beispielmittel 250 EC, 000000-00 |
| Ort | Haus 3, Schiff 2 (Betrieb Musterstraße 1) |
| Behandelte Fläche | 600 m² von 1.800 m² Hausfläche |
| Kultur | Weihnachtsstern (EPHPU) |
| Aufwandmenge | 0,5 l/ha (= 0,05 ml/m²) |
| Tankansatz | 30 ml Mittel in 60 l Wasser (1.000 l Wasser/ha) |
| Grund | Weiße Fliege |
Werden in einem Schiff mehrere Kulturen behandelt, bekommt jede Kultur ihre eigene Fläche. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen formuliert es so: Jede behandelte Kultur gilt als eigener Schlag, bei satzweisem Anbau jeder Satz.
Muster 2: Freiland
| Feld | Eintrag |
|---|---|
| Datum, Uhrzeit | 02.06.2026, 19:45 (Beginn nach dem Bienenflug) |
| Anwender | K. Muster |
| Mittel, Zulassungsnr. | Mustermittel SC, 000000-00 |
| Lage | Flächenkennung laut Agrarantrag bzw. GPS-Punkt der Flächenmitte, „Quartier Nord“ |
| Behandelte Fläche | 0,8 ha |
| Kultur, BBCH | Ziergehölze (NNNZG), BBCH 57 |
| Aufwandmenge | 1,0 l/ha in 400 l Wasser/ha – zusammen 0,8 l Mittel, 320 l Brühe |
| Grund | Blattläuse |
Sinnvolle Zusatzangaben
Pflicht sind nur die Angaben oben. Einige Felder lohnen sich trotzdem, weil Kammern sie empfehlen oder Qualitätsstandards danach fragen:
- Schaderreger bzw. Grund: hilft beim Resistenzmanagement und bei der Erfolgskontrolle. Die QS-Eigenkontrollcheckliste für Obst, Gemüse und Kartoffeln verlangt ihn ausdrücklich.
- Wassermenge: macht die Konzentration nachvollziehbar und erleichtert die nächste Spritzung.
- Wetter im Freiland: Bei GLOBALG.A.P. für Obst und Gemüse gehören Wetterangaben zur Anwendung dazu.
- Wartezeit: bei Speisekulturen wichtig für den Erntetermin, bei QS ein eigener Prüfpunkt.
- Gerät: Welche Spritze oder welcher Gießwagen eingesetzt wurde, hilft bei Rückfragen zur Geräteprüfung.
Was heißt „unverzüglich“?
Juristisch bedeutet unverzüglich ohne schuldhaftes Zögern. Laut Landwirtschaftskammer Niedersachsen sind Verzögerungen nur bei sachlicher Rechtfertigung zulässig. Praktisch heißt das: am Tag der Spritzung, spätestens am nächsten Arbeitstag. Wer erst am Monatsende aus dem Gedächtnis nachträgt, riskiert falsche Mengen und Flächen – und einen Verstoß.
Ab 2027 kommt eine zweite Frist dazu: Notizen auf Papier müssen spätestens 30 Tage nach der Anwendung elektronisch und maschinenlesbar vorliegen. Das ist eine Frist für die Umwandlung, nicht für das Aufschreiben selbst.
Sonderfälle: Tankmischung und Lohnunternehmer
Tankmischung: Jedes Mittel wird einzeln mit Zulassungsnummer und eigener Aufwandmenge eingetragen, Datum, Fläche, Kultur und Anwender gelten gemeinsam. Beispiel und Stolperfallen: Tankmischungen richtig dokumentieren.
Lohnunternehmer: Der Dienstleister zeichnet selbst auf und muss dir unverzüglich Zugang oder eine Kopie geben. Du übernimmst die Einsätze in dein Tagebuch und prüfst sie. Einzelheiten: Lohnunternehmer und Dienstleister.
Korrekturen richtig machen
Fehler passieren – entscheidend ist, wie du sie korrigierst. Eine bestimmte Form schreiben die von uns ausgewerteten Vorschriften und Kammer-Hinweise nicht vor. Klar ist aber: Eine Aufzeichnung, die „nicht richtig“ geführt wird, ist eine Ordnungswidrigkeit (§ 68 Abs. 2 Nr. 4 PflSchG). Bewährt hat sich:
- Papier: Falschen Wert einmal durchstreichen, sodass er lesbar bleibt, richtigen Wert daneben, Datum und Kürzel. Kein Tipp-Ex, kein Überschreiben.
- Excel: Nicht still überschreiben. Korrektur in einer Bemerkungsspalte festhalten und Stände regelmäßig sichern.
- Software: Auf einen Änderungsverlauf achten, der den vorherigen Stand speichert.
Nachträge sind erlaubt, Rückdatierungen ohne Hinweis nicht. Ein nachgetragener Eintrag sollte erkennbar machen, wann er erfasst wurde.
Papier, Excel oder App – bis und ab 2027
| Form | bis 31.12.2026 | ab 1.1.2027 |
|---|---|---|
| Papier, handschriftlich | zulässig mit allen neuen Pflichtangaben | nur als Notiz, binnen 30 Tagen elektronisch erfassen |
| Excel-Tabelle | zulässig | möglich, wenn strukturiert und als CSV speicherbar; PDF reicht nicht |
| App / Software | zulässig | zulässig, wenn ein maschinenlesbarer Export (z. B. CSV, XML, JSON) möglich ist |
Ein bestimmtes Programm ist nicht vorgeschrieben. Kostenlose Werkzeuge von Behörden und Kammern sind eine legitime Option. Was sich genau ändert, steht in Spritztagebuch 2027.
Aufbewahren und vorlegen
Die Aufzeichnungen bewahrst du mindestens drei Jahre auf, gerechnet ab Beginn des Jahres nach der Anwendung (§ 11 Abs. 3 PflSchG). Eine Spritzung vom Juni 2026 muss also bis Ende 2029 greifbar sein. Der Pflanzenschutzdienst bekommt die Daten auf Anfrage. Fordert er sie ausdrücklich elektronisch an, sind sie bis zum Ablauf der 30-Tage-Frist oder innerhalb von zehn Arbeitstagen zu liefern – je nachdem, was früher eintritt (Art. 4 DVO (EU) 2023/564).
10 typische Fehler aus Kontrollen und Audits
Laut BVL-Jahresbericht 2025 fehlten bei 7 % der 2.607 Dokumentationskontrollen Aufzeichnungen oder sie waren unvollständig. Diese Fehler fallen immer wieder auf:
- Nachtragen aus dem Gedächtnis Tage oder Wochen später.
- Brühe statt Mittel: 500 l eingetragen statt 0,5 l/ha.
- Ganze Fläche statt Teilfläche, obwohl nur ein Schiff behandelt wurde.
- Zulassungsnummer fehlt oder stammt vom falschen Produkt, etwa bei Vertriebserweiterungen mit eigenem Namen.
- Sammelbegriffe wie „diverse Topfpflanzen“ ohne EPPO-Code.
- Uhrzeit fehlt, obwohl eine Bienenschutzauflage die Tageszeit einschränkt.
- Anwender fehlt oder beim Dienstleister steht nur der Firmenname.
- Tankmischung unvollständig: Nur das Hauptmittel eingetragen.
- Sauber dokumentiert, aber nicht zulässig: Das Mittel war für Kultur oder Ort nicht zugelassen. Die Dokumentation macht den Verstoß dann sichtbar.
- Einkauf und Verbrauch passen nicht zusammen. Auditoren, etwa bei GLOBALG.A.P., gleichen Lieferscheine, Bestand und Anwendungen ab. Mehr dazu: Pflanzenschutzmittel richtig lagern.
So bist du vorbereitet: In Spritztagebuch.de erfasst du jede Spritzung in fünf Schritten am Handy, auch offline. Eine Checkliste zeigt vor dem Speichern, ob alle Pflichtangaben vollständig sind, und Korrekturen landen im Änderungsverlauf. Demo ansehen
Prüft mit. Denkt voraus.
Jede Eingabe wird mitgeprüft.
Spritztagebuch.de gleicht jede Spritzung sofort mit den amtlichen Zulassungsdaten ab – und sagt dir mit Beleg, wenn etwas nicht passt.
- PlausibilitätsprüfungIndikation, Höchstmenge, Anzahl Anwendungen, Abstand, Bienenschutz, Wetter, Gerät – geprüft auf BVL- und DWD-Daten.
- Prüfmodus „Kontrolle vorbereiten“Ganzes Tagebuch durchprüfen, Befunde nach Wichtigkeit, optional mit intelligenter Einordnung und „Was tun“.
- Bestellliste & VorausschauEinkaufsliste aus dem Verbrauch, Reichweite, geplante Folgebehandlung, Fristen für Gerät, Fortbildung und Inventur.
- Assistent (optional)Lieferschein fotografieren, Spritzung ansagen, Auflagen in Klartext – gespeichert wird nur, was du bestätigst.
Jeder Hinweis zeigt mit „Woher?“ seine Grundlage. Die App ändert nie etwas von selbst.
So hilft dir Spritztagebuch.de dabei
Was gefordert ist – und welche Funktion der App das erledigt.
-
Alle Pflichtangaben nach DVO (EU) 2023/564 bei jedem Eintrag
Erfassung als Assistent in 5 Schritten mit Pflichtangaben-Checkliste; offene Angaben lassen sich später gezielt nachtragen
-
Unverzüglich aufzeichnen – direkt nach der Behandlung
Erfassung am Handy, auch offline; Datum automatisch, letzter Anwender gemerkt, „Wie zuletzt“ wiederholt eine Spritzung mit einem Tipp
-
Mittel mit Zulassungsnummer und richtiger Aufwandmenge
Mittel aus dem eigenen Spritzschrank; Konzentration und Wasser aus der letzten Anwendung oder der BVL-Zulassung vorbelegt, Tankansatz je Haus oder Fläche berechnet
-
Eindeutige Fläche, behandelte Größe, Kultur mit EPPO-Code
Gewächshäuser und Freiland mit Teilflächen (Schiffe, Reihen, Tische), mehrere Kulturen je Fläche mit eigenen m², EPPO-Code mit Prüfung gegen das BVL-Kulturverzeichnis
-
Korrekturen nachvollziehbar halten
Bearbeiten mit Änderungsverlauf (vorheriger Stand wird gesichert), Monatsabschluss mit Prüfsumme
-
Ab 2027 elektronisch und maschinenlesbar vorlegen
Export als CSV, Excel (Blatt je Monat) und PDF-Bericht
Spritztagebuch.de ist kein Zertifizierer und keine Behörde – die App hilft dir, die Dokumentation vollständig und prüfbereit zu führen.
Demo anfragenCheckliste
Checkliste: Spritztagebuch richtig führen
- Mittel vor dem Ansetzen geprüft: zugelassen für Kultur, Ort (Freiland/Gewächshaus) und Schaderreger
- Aufwandmenge je ha bzw. m² und Tankansatz für die tatsächliche Fläche berechnet
- Teilfläche eindeutig benannt (Haus, Schiff, Quartier) und Größe in m² oder ha notiert
- Bei Bienenschutz- oder Zeitauflagen die Uhrzeit des Beginns notiert
- Eintrag noch am selben Tag erfasst – nicht aus dem Gedächtnis nachgetragen
- Mittelmenge eingetragen, nicht die Brühemenge
- Zulassungsnummer vom tatsächlich verwendeten Kanister übernommen
- Kultur mit EPPO-Code, BBCH-Stadium wenn die Zulassung es verlangt
- Bei Tankmischungen jedes Mittel einzeln mit eigener Menge
- Einsätze von Lohnunternehmern übernommen und geprüft
- Korrekturen nachvollziehbar: alter Wert lesbar, Datum und Kürzel
- Ab 2027: Papiernotizen spätestens nach 30 Tagen elektronisch und maschinenlesbar erfasst
Checkliste von spritztagebuch.de · ohne Gewähr, verbindlich sind Rechtstexte, Standards und die zuständige Stelle.
Häufige Fragen
Wie muss ein Spritztagebuch geführt werden?
Was muss im Spritztagebuch stehen?
Wer muss Pflanzenschutz dokumentieren?
Gilt die Pflicht auch für Hobbygärtner?
Bis wann muss ich eine Spritzung eintragen?
Darf ich das Spritztagebuch handschriftlich führen?
Quellen & weiterführende Links
- Durchführungsverordnung (EU) 2023/564, konsolidierte Fassung (EUR-Lex)
- Verordnung (EG) Nr. 1107/2009, Art. 67 (EUR-Lex)
- § 11 Pflanzenschutzgesetz – Aufzeichnungen
- Landwirtschaftskammer Niedersachsen: Dokumentationspflicht – neue Vorgaben ab 2026
- LfL Bayern: Dokumentation von Pflanzenschutzmittelanwendungen
- BVL: Jahresbericht Pflanzenschutz-Kontrollprogramm 2025 (PDF)
- Raiffeisenverband: Elektronische Aufzeichnungen gemäß PflSchG ab 2027
Stand: 19. Oktober 2026. Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Verbindlich sind die genannten Rechtstexte, Standards und die Auskünfte der zuständigen Stellen.